Mon cher LANCE!

Ich schrei­be Dir als treu­er Fan, denn alle haben sie Dich ver­las­sen, die gie­ri­gen Spon­so­ren, die Kum­pels, die sich mit Dei­ner Hil­fe gut ernähr­ten, die Scheiß-UCI, unsag­ba­re Arsch­lö­cher von Funk­tio­nä­ren, die, wenn sie nur einen Fun­ken Ehr­ge­fühl hät­ten, sich nun kol­lek­tiv erschie­ßen müß­ten, bezie­hungs­wei­se sie soll­ten sich in GEMEINSAMEM HARAKIRI ‑SEPPULCO genannt- das stroh­ge­füll­te Haupt abschla­gen, in einer Rei­he hockend. Der Ers­te schlitzt sich den Bauch auf, der NACHBAR HAUT IHM DIE OMME WEG und immer so wei­ter, bis dem Letz­ten nur sein Kopf blie­be. Dann dürf­te etwa EDDY MERKX auf­tre­ten und die­sen UGLY HEAD vom Rest des Kör­pers tren­nen. Und dann soll­ten den DREI GROSSEN ARMSTRONGS in der Welt, und Dir allei­ne, vor dem ARC DE TRIOMPHE und im Ange­sicht des GRAN CANYON bei­spiels­wei­se Stand­bil­der errich­tet wer­den, zu denen wir lei­den­schaft­li­che Rad­fah­rer hin pil­gern könn­ten, um dich ehr­fürch­tig zu betrach­ten und wo wir einen wah­ren Kult um Dich ent­fes­seln wür­den.

Darf man nicht sein Kind fort­an ARMSTRONG nen­nen dür­fen? Erst ein­mal LOUIS ARMSTRONG, jener wun­der­ba­re JAZZTROMPETER, unser aller SATCHMO, der so gross­ar­tig meist in B‑Dur spiel­te, dass wir net­ter­wei­se selbst sei­nen Gesang himm­lisch fan­den. Dann NEIL ARMSTRONG, wun­der­ba­rer Astro­naut und ers­ter Mond­be­tre­ter, den als Freund oder Bekann­ten zu haben, aber hal­lo! Schließ­lich Du, LANCE, den wir LANCELOT hät­ten tau­fen müs­sen, wie jenen heh­ren Artus­rit­ter aus grau­er Vor­zeit.

Jetzt haben Dir die Schwei­ne alle Titel gestoh­len, die Du Dir so wun­der­bar unehr­lich ver­dient hast. DOPING gab es immer, aber wie gefähr­lich, wie ver­bre­che­risch war das? Und total lebens­ge­fähr­lich! TOM SIMPSON ver­en­de­te gedopt in den Pyre­nä­en, FAUSTO COPPI starb an einer mys­te­riö­sen Infek­ti­ons­krank­heit, LOUISON BOBET, der einen Pilo­ten­schein besass und als Selbst­flie­ger zu sei­nen sieg­rei­chen Auf­trit­ten husch­te, war eine Zeit lang so ver­wirrt, dass er sich regel­mä­ßig ver­irr­te. Bevor er dann doch noch nach Däne­mark zur WM kam, lan­de­te er tat­säch­lich in Hol­land, tou­te la Fran­ce frag­te sich damals, wie einer sich so ver­flie­gen konn­te. Vol­taire hat zwar mal gesagt, Fran­zo­sen hät­ten kei­ne Ahnung von Geo­gra­fie, aber sich so zu ver­fran­zen, das ist schon komisch. BERNARD HINAULT erklär­te in einer Rund­funk­sen­dung, wohin ein gal­li­scher Radio­kum­pel mich mit­nahm, ganz kalt etwa die­ses: “Wer bloß als Tou­rist rauf­fährt nach ALPE D’HUEZ und dann behaup­tet, er hät­te vor­her kei­nen Medi­ka­men­ten­miß­brauch betrie­ben, ist von uner­träg­li­cher Nai­vi­tät“. BERNARD HINAULT war übri­gens nicht naiv, denn auf sei­nen sechs­ten Tour­sieg ver­zich­te­te er, als er sich von sei­nem ame­ri­ka­ni­schen Freund GREG LEMOND ganz offen­sicht­lich besie­gen ließ, mit ihm Hand in Hand über die Ber­ge fuhr. Das alles bloss, um fran­zö­si­sche Räder in USA zu ver­kau­fen. Danach stürm­te er in der KALIFORNIENRUNDFAHRT wie­der allen davon.

Hin­ault wuß­te, dass alle dopen, wie soll­te man der­ar­ti­ge Stra­pa­zen sonst aus­hal­ten? Dass Genia­le an LANCELOT ARMSTRONG ist eben: Er mach­te das Doping erfolg­reich und sozu­sa­gen gesund mit den schö­nen Blut­beu­teln und Sprit­zen. Und nie­mand ver­moch­te es ihm nach­zu­wei­sen. Hier muß aller­dings auch Lan­cens Zusam­men­ar­beit mit dem wun­der­ba­ren his­pa­ni­schen Medi­zi­ner EUFEMIANO FUENTES erwähnt wer­den, der heu­te, als spa­ni­scher GESUNDHEITSMINISTER etwa, das arme Land wirk­lich ret­ten könn­te. Er wür­de die gebeu­tel­ten Madri­le­nos so sprit­zen, dass die ihre Immo­bi­li­en­kri­se, den Abstieg von Real Madrid, und die Schel­te von drau­ßen über­stün­den und wie­der stol­ze Spa­ni­er sein wür­den. Mitt­ler­wei­le heu­len die espa­n­o­les ja schon rum wie ver­lieb­te Por­tu­gie­sen, die die gan­ze Schei­ße wesent­lich männ­li­cher tra­gen als die ibe­ri­schen Weich­ei­er unse­rer Tage. Euf­emia­no Fuen­tes wäre Spa­ni­ens Hei­land, so wie der groß­ar­ti­ge LANCE ARMSTRONG den Rad­sport gesund und unge­fähr­lich gemacht hat.

Sein per­sön­li­ches Han­di­cap war der Hoden­krebs. Dage­gen half EPO. Und woge­gen konn­te EPO denn noch hel­fen? Phan­tas­tisch! EUFEMIANO und LANCE ver­dien­ten einen gemein­sa­men Nobel­preis für Medi­zin. Lan­cens NÄHMASCHINENTRITT in den Ber­gen, Sym­bol für den die Natur ein­drucks­voll besie­gen­den homo sapi­ens. Alle haben betro­gen, die Zwei­ten und Drit­ten zwi­schen 1999 und 2oo5 als neue Sie­ger ein­zu­set­zen, ist so etwas von lächer­lich. Jan Ulrich will sei­ne drei mög­li­chen TRIUMPHE gar nicht haben. Alle beschei­ßen, aber LANCE ARMSTRONG tut es am Per­fek­tes­ten, also ist er der größ­te Rad­renn­fah­rer aller Zei­ten. Er kann ja in einer unsag­bar noblen Ges­te ein paar Tages­prä­mi­en aus den ver­gan­ge­nen Tou­ren den Letz­ten im Klas­se­ment spen­den, um die ein biß­chen zu ermun­tern, etwas mehr für den Erfolg zu tun. Gegen Rabatt! Aber sonst gilt er mir als der bedeu­tends­te Mann, der je ein Fahr­rad getre­ten hat. Und wenn nur ein Freund noch bleibt, dear Lan­ce, dann wer­de ich das sein. Das hat Vic­tor Hugo mal an ganz ande­rer Stel­le gesagt: ET S’IL N’EN RESTE QU’UN JE SERAI CELUI-LÀ. Hey Lan­ce, noch was für Dich. Da gab es einen Typ namens LESSING bei uns und der schrieb eine eher fade Komö­die, MINNA VON BARNHELM. Dar­in tritt ein Hoch­stap­ler auf namens RICCAUT und die bra­ven Teu­to­nen wer­fen dem klei­ne Täu­sche­rei­en und Schum­me­lei­en vor. Da ant­wor­tet der cool: NICHT BETRÜGEN, DAS HEIßT CORRIGER LA FORTUNE!

Du hast das Glück so etwas von kor­ri­giert, ver­ehr­ter Lan­ce. Wenn Du mal in der Gegend bist, komm mal vor­bei, viel­leicht gel­te ich dann lang­sam als Dein letz­ter Ver­eh­rer! Ich wäre unheim­lich geschmei­chelt. Viel­leicht gibst Du mir bei der Gele­gen­heit ein paar Tips für mei­nen Home­trai­ner, denn dazu habe ich immer weni­ger Lust. So long, Lan­ce… with my respect, my admi­ra­ti­on and my sym­pa­thie!

Das wird Dir jetzt nicht so viel sagen… sin­ce­rely Your’s for eter­ni­ty! LOTHAR!

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