Bon anniversaire BRIGITTE!

Ich weiß, ich kom­me zu früh, Madame BARDOT!

Sie wer­den ja erst am 28. Sep­tem­ber acht­und­sieb­zig, aber da bin ich auf einer grie­chi­schen Insel und muß vor­über­ge­hend an die armen Hel­le­nen den­ken, und wie wir die ret­ten kön­nen. Man kann ja nicht immer nur See­hun­de, klei­ne Esel, Kat­zen, und sagen wir mal, mehr oder weni­ger nied­li­che Tie­re ver­sor­gen wie Sie. Ich ver­steh‘ Sie so gut, weil ich seit vie­len Jahr­zehn­ten Ihr Fan bin, BRIGITTE, so wie die meis­ten alten und mitt­le­ren Kna­cker in Euro­pa und dem Rest der Welt. Vor hun­dert Jah­ren rief ich Sie mal an, in Paris, Sie dreh­ten im Stu­dio Join­ville DAS GÄNSEBLÜMCHEN WIRD ENTBLÄTTERT‑, sehen Sie, so etwas wis­sen nur ganz wahn­sin­ni­ge Freaks noch, ich stot­ter­te in mei­nem noch rudi­men­tä­rem Fran­zö­sisch und woll­te mich mit Ihnen ver­ab­re­den. Vor Herz­klop­fen fing ich an zu hecheln und Sie haben schnell auf­ge­hängt, weil Sie annah­men, es han­de­le sich um einen der übli­chen Wahn­sin­ni­gen. Und da hat­ten Sie ver­dammt recht.
Ich weiß noch genau: Damals waren Sie das Geschöpf von ROGER VADIM. und ein paar Kum­pels mein­ten sei­ner­zeit, genau­so bescheu­ert wie der sähe ich auch aus. Des­halb glaub­te ich,-völlig betrun­ken übri­gens,- an eine win­zi­ge Chan­ce. Und jetzt gehe ich frech zum TU über!

Du hast eigent­lich NIE SUPERMÄNNER oder etwa SCHWIEGERSOHNTYPEN (das Letz­te für uns gro­ße FRAUENVERSTEHER!) haben wol­len, son­dern offen­bar KÄUZE. Nach VADIM: TRINTIGNANT, RAF VALLONE (sehr kurz, ich hab‘ alles regis­triert), GILBERT BÉCAUD,  der dich hin­ter der Büh­ne auf dem Klo ver­steck­te, wenn sei­ne Ehe­frau ihn vor dem Kon­zert noch ein­mal in die Arme neh­men woll­te.

Also ich moch­te BÉCAUD fast so sehr wie Dich, nur anders, aber da schä­me ich mich für ihn, was hät­te ich mit Dir ange­ge­ben! Aller­dings nicht so wie der Wider­ling SACHA DISTEL, der immer Foto­gra­fen mit­brach­te, wenn er Dich traf und die Liai­son mit Dir nur für sei­ne eige­ne Pro­mo­ti­on benutz­te. Naja, und CHARRIER, SAMI FREY, sehr, sehr jüdisch, BOB ZAGURI, eine Art bra­si­lia­ni­scher Poker­spie­ler. also, da müs­sen Dei­ne bra­ven Eltern immer den Kopf geschüt­telt haben. Dann der abso­lu­te Tief­punkt GUNTER SACHS, der sich nur mit Dir zeig­te, mitt­ler­wei­le ist er frei­wil­lig aus dem Leben geschie­den und ich sage nie Häß­li­ches über Tote außer was ADOLF HITLER betrifft. Schließ­lich nahmst Du Dir den mick­rigs­ten Mann des Erd­krei­ses, SERGE GAINSBOURG. Aber ein sel­te­nes Pop­poe­ten­ge­nie vol­ler düs­te­rer Klän­ge sowie ver­schwie­melt lüs­ter­nen Tex­ten… Da hat sich BÜRGER SACHS aber geär­gert, par­don, ich woll­te ja nichts Böses über ihn sagen, aber Gain­s­bourg und Du, das war der Tri­umph von uns kau­zi­gen, nicht so völ­lig eben­mä­ßi­gen Män­nern über die soge­nann­ten GUTAUSSEHENDEN. Das schwach­sin­nigs­te Wort, das Frau­en im Mund füh­ren kön­nen, das Nichts­sa­gends­te.

Eine Frau ist für mich attrak­tiv, hübsch, rei­zend, bezau­bernd, nied­lich, ras­sig, pott­häß­lich, absto­ßend, dämo­nisch, aber doch nie GUTAUSSEHEND. So etwas sagen nur Spie­ßer­wei­ber und die ent­spre­chen­den Ker­le ohne eige­nes Voka­bu­lar. Also GAINSBOURG in Dei­nem Bett, das war der Tri­umph der nicht ganz so hüb­schen Jungs, so wie die meis­ten mei­ner Kum­pels. Dan­ke Bri­git­te, Du hast es für uns getan, Ser­ge Gain­s­bourg in Dei­nem Bett, das waren wir alle, wir net­ten, oft ver­kann­ten, tap­fer und unver­dros­sen um die Gunst attrak­ti­ver Damen kämp­fen­den Ker­le. Wir Män­ner mit komi­schem Charme und vol­ler Phan­ta­sie! Sind wir doch, oder?!

Wir NICHT-FERRARI-FAHRER und auf den ers­ten Blick wenig reprä­sen­ta­ti­ven lep­to­so­men Intel­lek­tu­el­len. MERCI BRIGITTE! Das hat damals kei­ner ver­stan­den, aber wir ver­ste­hen Dich, wir net­ten, auf­rich­ti­gen, phan­ta­sie­vol­len Anti-Kon­sum-Jungs, die wir Dich trotz der Viel­zahl Dei­ner Ver­eh­rer jeder­zeit gehei­ra­tet und mit Albern­hei­ten den gan­zen Tag und die gan­ze Nacht beschäf­tigt hät­ten. Dafür muß­te an die­ser Stel­le mal eine Lan­ze gebro­chen wer­den, MERCI CHÈRE Bri­git­te! Fre­ches, sich selbst nicht all­zu ernst­neh­men­des, schmol­len­des, schar­fes Baby­weib!

Aber dann hast Du, gehetzt und ent­täuscht von die­ser schnö­den Welt, dann hast Du das mit den TIEREN ent­deckt. Als den eigent­li­chen Sinn Dei­nes Lebens! Dei­ne Rob­ben, Dei­ne See­hun­de, Dei­ne Zie­gen, Affen und Esel. Du hast Dich welt­weit für sie ein­ge­setzt und sicher tau­sen­den von ihnen, also kein men­schen­wür­di­ges, aber doch tier­wür­di­ges Dasein ver­schafft. LA ROCHEFOUCAULD hat mal irgend­wann im 17. Jahr­hun­dert etwa so gesagt: Seit ich die Men­schen ken­ne, was lie­be ich die Tie­re! Ein­mal hast Du, liebs­te Bri­git­te, die Du glück­li­cher­wei­se nie eine gro­ße Schau­spie­le­rin wer­den woll­test, zu Dreh­ar­bei­ten In Mexi­ko eine Ente gehät­schelt und betreut. Du bist allen damit auf die Ner­ven gegan­gen. Ich fin­de das groß­ar­tig. Ich fin­de Dich über­haupt groß­ar­tig und wür­de ich Dir als Greis noch begeg­nen, bekä­me ich sicher fürch­ter­li­ches Herz­klop­fen und da muß ich sowie­so ein biß­chen auf­pas­sen, an der Ecke. Ich woll­te ja sei­ner­zeit als PRÄSIDENT DER DEUTSCHEN SEEHUNDEUNION zu Dir nach SAINT-TROPEZ rei­sen. Gott­sei­dank habe ich es nicht getan. Ich bin bei mei­nen Kind­frau­en geblie­ben, die ich und das wird Dir gefal­len EICHHÖRNCHEN, BABYFRAU oder KOLIBRI nann­te. Das war Dein Ein­fluß, denn ich habe Dei­ne Memoi­ren häu­fi­ger gele­sen als die Bibel, den Faust oder Tho­mas Mann. Ich habe sie regel­recht stu­diert, ken­ne gan­ze Pas­sa­gen aus­wen­dig. Ich glau­be, ich bin fast der bedeu­tends­te BRIGITTE BARDOT-EXPERTE in Mit­tel­eu­ro­pa. Ich ken­ne Dei­ne Ergüs­se wesent­lich bes­ser als die von Ador­no, Haber­mas oder Hegel.

Schön, heu­te sollst Du mit einem Typ von der FRONT NATIONAL leben. Das darf ich eigent­lich als Alt-Lin­ker nicht dul­den. Aber in Frank­reich sind alle immer ein biß­chen lin­ker als bei uns.

Also hab‘ jetzt einen schö­nen acht­und­sieb­zigs­ten anni­ver­saire und soll­test Du irgend­wann ein­mal auf mei­ne home­page sto­ßen und sie Dir über­set­zen las­sen und Du ant­wor­test mir womög­lich, also dann voll­füh­re ich einen ech­ten Luftsprung…und mitt­ler­wei­le spre­che ich fran­zö­sisch fast bes­ser als mon alle­mand. Wenn ich jetzt sagen wür­de, ich hab’s nur für Dich gelernt, wäre das doch ein wenig über­trie­ben. Des­halb sag‘ ich sowas Alber­nes hier auch nicht! Hab’s ja eigent­lich schon gesagt .

… Bon anni­ver­saire, BRIGITTE, ton LOTHAR éter­nel, tou­jours dévoué …

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