[Fotografie: Lothar von Versen]

»Sänger mit Gitarre lässt dich im Stehen einschlafen, also lieber Säulenheiliger!«

»Wat, hier bin nur ick zu sehen und bunt is ooch kaum wat? Det tut mir leid, aber det liegt an den Jerät (Browser, Handy etc.), mit den Sie det hier betrachten. Det kann nämlich nicht mit die moderne Jestaltung hier umjehen — sagt meen Internetfuzzi. Aber alle Infos können Sie hier uff alle Fälle lesen, dafür ist jesorgt.«

Lothar von Versen: Leibhaftig!

Bonne année 2o1o …, der Matratzengruft gerade entronnen!

Rückblende auf den denkwürdigen 11. Dezember 2oo9 im exklusiven Berliner CABINETT, als der Barde in Begleitung des hochkarätigen Jazzpianisten Rudi Redl gerade seine neue CD »DIE MÄRCHENFEE« (mehr darüber hier) sowie weitere brandaktuelle Lieder und Sketche vorstellen wollte.

Toller Abend, beifallsfreudiges Publikum, das den Protagonisten zu vielen Zugaben, auch in fremden romanischen Idiomen zwang. Alles wunderbar bis auf den Abgang.

Ich verfing mich in einem Mikrofonkabel und zog mir einen glatten Unterschenkelbruch zu, Waden-sowie Schienbein, femur und tibia. Die Folge: 24 Tage Krankenhausaufenthalt in der nach Rudolf Virchow benannten Klinik in Berlin- Wedding. Virchow starb übrigens an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches. Ich hatte mehr Glück, nur trocknete die Wunde lange nicht, nach zwei Operationen.

So konnte ich Weihnachten und Neujahr — krank und wund, ständig auf dem Rücken liegend — befriedigt konstatieren, dass mich abgesehen von meiner Patchworkfamilie viele liebe Menschen nicht vergessen hatten und mich pausenlos besuchten, als handelte es sich bei uns um eine arabische Großsippe.

Mein einziger Konkurrent in dieser Hinsicht war ein gläubiger Syrer, der ebenfalls zahllosen Fanbesuch bekam, allerdings im Gegensatz zu mir keine Frauen empfing, obwohl er zwei Ehedamen sein eigen nannte. Ein schöner Mann, der sich so leidend der holden Weiblichkeit nicht stellen mochte. Er möchte, dass ich im Herbst bei ihm zu Hause in Aleppo auftrete, vielleicht in Damaskus. Ich hab’ mich gleich erkundigt, ob da bei ihm in der Nähe nicht ein Hisbollah-Ausbildungslager besteht, das just zum Zeitpunkt meiner Syrientournee womöglich von Israel bombardiert werden könnte.

Er beruhigte mich, die nächsten Lager lägen weit weg, da oben an der türkischen Grenze gäbe es nur Ruhe und Frieden, außerdem sprächen alle natürlich englisch, aber auch gut französisch. Vielleicht könnten wir eine Reisegruppe bilden, ich brächte eine Kerngruppe meines Publikums, also Euch, liebe Freunde, mit nach Aleppo. Überlegt Euch das mal …

Jetzt hause ich wieder bei meiner geliebten Dauermuse in der Waldfriedenstraße und bewege mich relativ gelenkig auf Krücken … Ich übe fleißig, damit Ihr bei meinem baldigen Comeback nicht enttäuscht seid. Ich mache das ja sowieso nur für Euch. Mehreren europäischen Konzertbühnen musste ich vorsichtigerweise absagen, ich weiß ja nicht, wie lange so ein Genesungsprozess selbst bei einem rüstigen Greis dauern mag.

Aber die ausgefallene Veranstaltung vom Dezember o9 wird nachgeholt!

Im HOFGARTEN, BERLIN-TEGEL, Veitstrasse 28, 16 Uhr 3o, am 7. Februar 2o1o (Sonntag)!
Vielleicht noch mit einer Krücke, vielleicht sitzend, was meiner Dynamik total widerspricht, vielleicht auch genesen und locker, wer weiß. Bis dahin habt Ihr mich sicher nicht vergessen, also bitte kommt doch zuhauf.
Telefonische Anmeldung unter 43o 933 72!


Endlich: Die Märchenfee ist erschienen

Es hat ein bisschen gedauert, der neue Produzent Frank Osterland vom berühmten Nachwuchslabel "Kinderleicht" musste erst von Lothars Pianisten Hartmut Valenske gefunden werden, der berühmte Saxophonist Karl-Heinz Böhm stieß dazu, damit im Dachgeschoss in der Ystader Str., Berlin-Mitte, die Aufnahmen zur neuen CD beginnen konnten.

Das Werk entstand spontan wie ein lustiges Konzert zwischen befreundeten Musikern, es wurde technisch ganz wenig gefummelt. Wie schön, wenn man einfach singen darf, wie einem die "Schnauze" oder höflicher "das Maul" eben gewachsen ist. So treffliche Weisen über betrübliche gesellschaftlich-politische Situationen, kraft derer Investmentbanker oder Leiharbeiter ihr Klagen oder ihr Frohlocken hörbar machen, können da genauso gestaltet werden wie Balladen, die erotische, gewalttätige, arrogante, aber natürlich auch einfach süße Damen zum Gegenstand haben. Zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR wird selbiger in ihrer heutigen, uckermärkischen Idylle noch einmal gehuldigt. Dazu die wieder aufgetauchten frühen französischen Bänder des Alt-Barden mit zarten, pubertären Chansons.

Das neue germanische Werk heißt also DIE MÄRCHENFEE und kann hier oder in besseren Läden bestellt werden. Dazu die rein gallische CD LAISSONS CES FADAISES mit 12 Melodien aus dem schicksalhaften Jahr 1969, das Serge Gainsbourg damals als ein absolut erotisches bezeichnete. Habt ihr Älteren das auch gehört? Also für mich war es nur das Jahr nach 1968. Und ich lebte damals in Frankreich. Solltet ihr liebenswerten Greise oder Greisinnen, abgesehen von den politischen Vorgängen damals, anno 1969 bemerkenswerte erotomanische Erlebnisse gehabt haben, teilt mir das doch bitte mit. Mein Dank ist euch gewiss, und vielleicht mache ich aus dem einen oder anderen eurer Events noch ein Lied. Bei der Gelegenheit könnt Ihr gleich DIE MÄRCHENFEE oder LAISSONS CES FADAISES bestellen.

Glücklicherweise warten Steuersenkungen auf uns alle, die wir reich und wohlhabend sind, der wunderbare Guido wird Außenminister auch ohne Fremdsprachenkenntnisse, Mutti Angela hat alles im Griff, obwohl ihr unaufhaltsamer Aufstieg von Kabarettisten und Komikern jedweder Couleur seit Jahrzehnten heftig bekämpft wird. Vielleicht gerade deshalb ist sie so siegreich. Man hat über das schlaue Teufelsweib weidlich gespottet und nun bleibt nichts mehr zu kritteln übrig. Gegen Allgemeinplätze lässt sich nichts einwenden. Gestern war gestern, heute ist heute und morgen wird morgen sein. Die Krise hat uns alle getroffen, heute geht's schon ein wenig besser, weil wir die armen Banken gerettet haben und morgen werden wir schon sehen. Sag mal was dagegen!

Mein Adelskollege zu Guttenberg hat endlich den richtigen Posten gefunden, Wirtschaftsminister hätten Du und ich auch notfalls ein bißchen spielen können, aber Minister of defence, das ist etwas anderes. Das muß ein schneidiger Typ sein, der die Knie durchdrücken und nofalls auch Trost spenden kann, der bei anstehenden Trauerfeiern sowohl Boogie-Woogie als auch Chopin zu spielen imstande ist. Das wird den Jungs in Afghanistan gefallen.

Tja, und Schäuble … auch das eine großartige Wahl. Wenn er gegen die realen Finanzverbrecher so erbarmungslos vorgeht wie gegen oft eingebildete und hochgejazzte Terroristen, wenn Banker endlich bei Nacht und Nebel aus ihren Vorstandsetagen oder den Betten ihrer Konkubinen gerissen und erstmal in Handschellen abgeführt und in Vorbeugehaft genommen werden, weil sie gerade mal auf den Kaiman-Inseln Urlaub machen wollten … Wolfgang dann bist Du mein Mann und der aller kleinen, frustrierten Leute. Steinbrück war komischer mit seinen Schweizer Kavallerievergleichen und wohl auch kompetenter, gewiss, aber Schäuble schafft Vertrauen.

Merke: Dein Finanzminister muß immer eine ehrliche Haut sein, ein Pfennigfuchser, dein Außenminister dagegen eine skrupellose Sau, ein Lügner vor dem Herren, ein Trickser, ein Täuscher, denn er tut es ja für uns . Talleyrand, von dem Napoleon behauptete, er sei wie Scheiße in einem Seidenstrumpf, gehörte da zu den größten der Zunft, Disraeli, Lloyd George (Kennst du nicht, macht gar nichts), aber Genscher ( kennst Du noch) … Also aus einem Land mit einem ehrlichen Außenminister würde ich sofort auswandern.

Und da erscheint mir Guido fast ein wenig naiv, tut mir leid. Er freut sich, lacht wie ein Streusselkuchen, sieht in Horst Seehofer einen guten Freund (hast du das Gesicht von dem gesehen, als Herr Westerwelle solches jovial äußerte?). Ist Westerwelle als Außenminister wirklich unvermeidlich? Oder zu infantil?!

Aber zurück zu den neuen phonografischen Produkten von votre serviteur:

Am 9. DEZEMBER, 21 Uhr, DIE MÄRCHENFEE, Chansons und Sketche in der
KLEINEN WELTLATERNE, Nestorstr. 22 in Berlin- Wilmersdorf

Am 11. DEZEMBER, 2o Uhr, offizielle Vorstellung DIE MÄRCHENFEE, Lieder und Sketche,
im CABINETT, Joachim-Karnatz-Allee 45, 1o557 Berlin ( unweit Schloß BELLEVUE) tel. Vorb. 22488511 (Mit der Eintrittskarte erwirbst Du eine MÄRCHENFEE!)

Am 13. DEZEMBER, 16:30 Uhr im HOFGARTEN TEGEL, Veitstrasse 28, Berlin-Tegel, Kabarett und Lieder

Und dann ist Weihnachten, das konnte ich nicht vermeiden.


Fotografie: Lothar von Versen mit Gitarre bei einem Auftritt

Eine wunderschöne, aphoristische Lebensweisheit noch am Ende für das kleine, aber treue Publikum, für alle Sympathisanten, pour tous les amis, para todos los amigos, per tutti gli amici, dieser Spruch allerdings nicht aus dem Munde von Lobo, sondern aus der sonst sehr berlinischen Schnauze von Lothars Bruder Lutz, Lungenarzt am Kreuzberg, Miriams Daddy, das klingt so:

»Reife ist die Kunst, an den schönen Dingen des Lebens vorbeizugehen!«

Kurze Pause zum Nachsinnen und bis bald!