Brief an Wulfimaus

Chris, ich muss das publi­zie­ren, weil ich auf mei­ner Web­site immer die Wahr­heit sage, nichts als die rei­ne Wahr­heit, weil ich das mei­nen hand­ver­le­se­nen Freun­den und mei­ner über­sicht­li­chen Gemein­de schul­dig bin.

Wir ken­nen uns seit vie­len Jah­ren. Weißt Du noch, wie Du in der Fuß­gän­ger­zo­ne nahe dem Cafe Kröp­cke in Han­no­ver mei­nem Gesang lausch­test und wie Du nach einem beson­ders schö­nen Lied einen gan­zen Euro hast zu mir her­über­wach­sen las­sen?

Du warst damals noch Oppo­si­ti­ons­füh­rer im nie­der­säch­si­schen Land­tag, ich lud Dich zu einer Brau­se ein von Dei­nem Euro, Du woll­test etwas für mich tun, mich spä­ter ein­mal zu einem gro­ßen Gar­ten­fest bit­ten …

Wie oft hab‘ ich mich seit­dem vor Sehn­sucht ver­zehrt, hab‘ ver­sucht zu tele­fo­nie­ren, zu schrei­ben, zu faxen, spä­ter manch­mal vor dem Schloss Bel­le­vue her­um­zu­lun­gern … Ver­ge­bens.

Nach eini­gen Jah­ren schlug mei­ne Sym­pa­thie in Hass um, und ich fand Dich nicht mehr ganz so sym­pa­thisch. Und nun rufst Du mich an. Ich ste­he auf der Kaba­rett­büh­ne. Du beklagst Dich, dass Du nur rei­che und schö­ne und mäch­ti­ge Freun­de hast, dass Dich das unpo­pu­lär gemacht hat, wenn Du in deren Vil­len und auf deren Jach­ten geur­laubt hast mit Dei­ner Bet­ti­na. Nun brauchst Du offen­bar für Dei­nen Ruf und Dein Image einen abge­ris­se­nen Men­schen, einen ver­kann­ten Künst­ler etwa, schwe­bend zwi­schen Miet­no­ma­den­tum und Klein­kri­mi­na­li­tät, ver­kannt, aber begabt. Und da bin offen­bar nur ich Dir ein­ge­fal­len. Sehr schmei­chel­haft.

Also Du kannst gern ein paar Tage Feri­en machen bei uns, bei Edda und bei mir, in unse­rer win­zi­gen Hüt­te zu Ber­lin-Herms­dorf. Wir zie­hen solan­ge zu mei­ner Schwie­ger­mut­ter in Hei­li­gen­see. In eine beschei­de­ne Lau­be.

Mit der Bett­wä­sche wird es schwie­rig, aber Ihr könn­tet Eure Schlaf­sä­cke mit­neh­men, das heißt, mei­nen alten Sack wür­de ich Dir zu Ver­fü­gung stel­len, aber Bet­ti­na brauch­te einen grö­ße­ren, eige­nen, weil sie ja wohl zwei Meter misst und mein Lieb­ling nur eins-sech­zig, so dass ihr Schlaf­sack nicht rei­chen wür­de für Dein Frau­chen.  Als Bezah­lung wür­den 5oo Euro pro Nacht völ­lig aus­rei­chen. Das wäre mehr eine Spen­de, und nur ein Idi­ot könn­te dies als Vor­teils­nah­me dei­ner­seits bezeich­nen.

Tja, und sowie Du da bist, lade ich anonym — per Mail­box natür­lich — den lie­ben Diek­mann ein, damit er mit einem Repor­ter­tross anrückt.

So kommt alles wie­der in Ord­nung, und Du prä­sen­tierst stolz einen sehr armen Freund statt der rei­chen Hei­nis und ihrer Mie­zen, die dich nur in Miss­kre­dit brin­gen …

Alles Lie­be , immer der Dei­ne, LOBO.

PS: Ach, und Hand­kuss für Bet­ti­na!

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