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»Sänger mit Gitarre lässt dich im Stehen einschlafen, also lieber Säulenheiliger!«
Unter diesen Oberbegriffen lässt sich Lothar von Versen ganz unkompliziert einordnen.
Darüber hinaus hört er es gern, wenn man ihn als witzig-skurrilen Sketchgestalter, aber auch als relativ stimmgewaltigen Sänger seiner eigenen, engagierten oder einfach unterhaltenden Lieder bezeichnet. Er spielt auf der Bühne gern entweder übergebildete Intellektuelle oder simple Dumpfbacken, weil er die Extreme mag. Er liebt es, sein Publikum zu überraschen. Sieht sich als den kleinen Jungen, der im Keller pfeift, grölt und Witze macht, obwohl die Lage eigentlich gar nicht komisch ist …
Es gilt, die Deutsche Sprache, die heute nur noch in der schwachsinnigen Schwundform des 'Denglish' besteht, zu retten.
In der Art :
»Immer wenn ich einen Brief in Händen halte, und das passiert über sieben Mal im Jahr - schon wegen meiner Fanpost -, dann jagen sich mir Schaudern kaltem Entsetzens über die Rückenmarksnervenstränge und Hand auf dem Herzen, geht es Ihnen nicht identisch? Sehen Sie, gutes Deutsch trifft man heute kaum mehr, falsches Deutsch dagegen überall, wo man hintritt.
Als die alten Römer in der seinerzeitigen Epoche, wo sie denn gelebt hatten, wann sonst, das gute Lateinisch abgewöhnt wurden, da begann doch erst ihr allgemeiner Niederbruch, da wurden Zustände an die Bildoberfläche gespült, die jeder Beschreibung verspotteten, Zustände wie im alten Rom eben. Und Hand auf dem Herzen! Wollen wir das? Nein … «
Sind da etwa Fehler drin?
Gerettet werden muss ebenfalls die Berliner Mundart, kaum mehr artikuliert, also artiekuliat, verdrängt vom Turko-Berlinisch »Isch geh Tante«, statt korrekt Berlinisch: »Ick jeh bei meene Tante«
Irrtümer müssen berichtigt werden, weil man allgemein annimmt, Berliner bevorzugten dem Dativ, wo sie doch klar dem Akkusativ vorziehen. Zwar heißt es »Ick liebe dir.«, aber sonst steht nach fast allen Präpositionen der Akkusativ :
»Wer soll denn nach die Bälle loofen?«
»Ick will ma bei die Leute ranschmeißen.«,
»In den Alter is det unnatürlich!« (das Knutschen etwa)
Dann soll die Satire gerettet werden vor der 'political correctness', der Zensur von heute … Beispiel: Selbstmordattentäter und potentielle Terroristen — also praktisch alle Flugpassagiere — müssen einer Leibesvisitation unterzogen werden, weil man ja weiß, dass Fedajin blütenweiße Leibwäsche sowie frische Strümpfe anlegen, bevor sie — nach gelungenem Einsatz — ins Paradies kommen. Oft tragen sie deshalb zwei Unterhosen. Ein alter Mann, der das genauso hält, wird festgenommen, beteuert aber, er sei inkontinent … Soll man ihm glauben oder schickt man ihn doch vorsorglich nach Guantanamo?
Und bei all diesen ernsten Anliegen soll das Publikum noch unterhalten werden, mit so lustigen Themen wie Rentenschwund, Arbeitslosigkeit, Terrorismus-Alarm, Korruption und globalen Katastrophen ohne Ende. Es geht, denn wie antwortet Tucholsky auf die Frage »Was darf die Satire?«:
ALLES!
Was soll eigentlich ein Chanson sein — im Gegensatz zum Popsong oder Schlager? Ganz einfach, ein Lied mit einem Text. Der Text könnte alleine stehen, man hielte ihn für ein Gedicht … Solche Songs fabriziert unter anderem Lothar von Versen …
(& viele Pünktchenpünktchenpünktchen …)
Deshalb betätigt sich Lothar von Versen als Kabarettist, letzter Berliner, frankophiler und frankophoner Chansonnier — dies unter dem Pseudonym Raoul Lacroit, als Komödiant (um Gotteswillen nicht Comedian), als Barde, Tenor und feinsinniger Schriftsteller …
Das alles nicht ohne jeden Humor, ohne jeden Witz, ohne jede Schlagfertigkeit — aber: