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Wer ist LOTHAR VON VERSEN, wer war er, wer wird er eventuell noch sein können?
Nun, das alles lässt sich nicht leicht beantworten, da man den mittlerweile fünfzig, nach unbestätigten Angaben sogar sechzig, siebzig oder fünfundachtzig Jahre alten Berliner Lebemann kaum einzuordnen vermag.
In seinen bisweilen kurzweiligen, skurrilen, manchmal auch deftigen Gesängen sowie Erzählungen trägt er eine Larve nach der anderen. Supermänner, die sich als Windeier entpuppen, Polizisten, die verprügelten Opfern nicht helfen, oder die männermordende Imbisswirtin Ruth, welche andererseits sich als geheime Männerphantasie entpuppt.
Dazu kommt das Engagement für die gerade verendende Deutsche Sprache, das wundervolle, in den letzten Zügen liegende Berliner Idiom und die geliebte französische Lingua, in der er sich fast wie sein Vorbild Voltaire artikuliert.
Seine Bescheidenheit, mit der er beispielsweise seine spürbare Wirkung auf das andere Geschlecht tapfer herunterspielt, das Eremitenhafte seines Daseins sowie sein geradezu verhuschter Habitus lassen ihn selbst zum C– Prominenten nicht taugen. Das Dschungelcamp lehnte ihn mehrfach ab.
Er haust in einer so bescheidenen wie verwunschenen Klause am Hermsdorfer Waldesrande. Es betreut ihn eine nach übereinstimmenden Auskünften reizende Pädagogin, Gärtnerin, Katzenliebhaberin sowie Pflegerin namens Edda. Sie hält alle unnötigen Anstrengungen von ihm fern.
Aus diesem Idyll muss er sich gelegentlich mannhaft losreißen, um seine Chansons und Satiren nach Dinkelsbühl, Groß-Krotzenburg oder Mindelheim zu tragen. Man hat ihn jedoch auch schon in Köln, Frankfurt oder München auf der Bühne gesehen und selbst in Berlin muss er hier und da in einem anderen Bezirk auftreten als in Reinickendorf. Auch das bedeutet schon eine große Reise für ihn.
Was nun den Status Quo betrifft, scheint Lothar nur einen Wunsch zu verspüren:
Wenn das alles mal so bleibt, dann wäre ich schon sehr zufrieden.
Der Welt geschenkt am 8. Mai 2012:
Reviens GILBERT!
Warum hast Du uns am 18. Dezember 2oo1 verlassen, bloss weil Du zu viel geraucht hast? Einfach so.
Kurz davor entstanden DEINE letzten Aufnahmen. Monsieur Hunderttausend Volt liegt heute auf dem Père Lachaise, wo auch Heine, Rossini, Edith Piaf-und-für mich persönlich weniger interessant-Jim Morrison liegen. Mit seiner Show zwischen unbändiger Lebenslust sowie bewußt eingesetzter, entfesselnd trällernder Hysterie war Gilbert für uns Bécaud-Geschädigte eine unverzichtbare DROGE. Von diesem begnadeten Sänger, Pianisten und Kobold konnte man lernen, sich an der eigenen kleinen Person zu berauschen, ohne sich nun wieder zu ernst zu nehmen. Ich habe noch nie einen Bécaud– Text von Amade, Vidalin oder Delanoe lernen müssen, ich konnte sie einfach gleich auswendig ob NATHALIE oder ET MAINTENANT, ob La VENTE aux enchères, LES TANTES JEANNE, ob LES BALADINS oder SEUL SUR SON ETOILE.
Schon in den 5oer Jahren –ich war damals noch gar nicht richtig auf der Welt, hab‘ das nur gehört– schon da gerierte er sich als musikalisch –komödiantischer Wirbelsturm, gegen den Elvis Presley, der ihn übrigens auch nachgesungen hat–, wie ein zittriger Greis daherkam. Bei allem Respekt und einfach gebührender Liebe zu Elvis Aron. Das muß mal gesagt werden.
Hé , les AMIS DE GILBERT, lassen wir ihn auferstehen! An seinem Geburtstag, dem 24. Oktober oder zu seinem Erlöschen, am 18. Dezember. In einem Berliner Club, einem schnuckligen Theater, wir: SÄNGER, KOMÖDIANTEN, PIANISTEN, GUITARRISTEN, CLOWNS. Jeder, der etwas von GILBERT kann, singen, sagen, toben möchte, tritt auf. Leute holen wir uns rein, Eintritt nehmen wir ebenfalls, wenn sich das zu regelrechten GILBERT-Sessions auswächst. Die erste REUNION im provisiert, aber dann ein regelmäßiges Treffen von französisch-teutonisch-englisch geht natürlich auch, spanisch –russisch, –italienisch, –türkischsprachigen Menschen. Gilbert war ein globales Phänomen.
Schreibt doch mal, was Ihr davon haltet, falls Ihr Bécaud ebenso vermißt wie Euer respektvoller Diener… Bitte, meldet Euch, réunissons– nous, nous, LES AMIS DE GILBERT!

